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Artikel in WochenkurierFrauen bekommen erstmals Preis fürs „Trouble Machen"

Kann auch ein Mann eine „Aufmüpfige Frau" sein?

Artikel externer Link Wochenkurier vom 07.01.2007

Dortmund. (MM) Auszeichnungen für Frauen sind an sich keine Seltenheit. Doch wenn Frauen ausgezeichnet werden, dann überdurchschnittlich oft für ihre karitative Arbeit. Eine löbliche Angelegenheit, doch Sigrid Metz-Göckel, Professorin für Frauenforschung an der Uni Dortmund, wollte Frauen für ganz andere Tätigkeiten ins Rampenlicht stellen, nämlich fürs Querdenken und gegen den Strom Schwimmen. Deshalb gründete sie die „Stiftung Aufmüpfige Frauen".

Alice Schwarzer, mit der die Dortmunder Professorin eine langjährige Zusammenarbeit verbindet, brachte die Neuartigkeit dieser Stiftung auf den Punkt: „Es ist das erste Mal, dass Frauen dafür einen Preis kriegen, dass sie Trouble machen."

Das Querdenken kann dabei die unterschiedlichsten Formen annehmen. Im vergangenen November wurden mit Aylâ Neusei und Gudrun Koch die ersten beiden Preisträgerinnen ausgezeichnet.

Aylâ Neusel war „die erste Frau, die sich traute, in der Hochschule nach den höchsten Ämtern zu greifen" und außerdem Planerin, Organisatorin und Präsidentin der Internationalen Frauenuniversität „Technik und Kultur" während der Weltausstellung 2000 in Hannover.

Gudrun Koch wurde unter anderem dafür ausgezeichnet, dass sie sich mit Filmen und Vorträgen für vergessene Themen der Frauengeschichte einsetzt. Die Tatsache, dass die beiden ersten Preisträgerinnen Frauen mit akademischem Hintergrund waren, „soll aber nicht der Maßstab für die Zukunft sein," erklärt Sigrid Metz-Göckel.

Frauen jeden Alters, aller Kulturen, jeden Bildungsstandes und aus jedem Berufszweig sind theoretisch „preiswürdig".. wenn sie denn mutig und kreativ gegen Geschlechterstereotype antreten und sich gegen Zeitgeist und Gruppennormen durchsetzen. Dabei ist auch die Stiftungsgründerin selbst bereit, sich gegen gesellschaftliche Definitionen durchzusetzen - zum Beispiel, indem sie sich durchaus vorstellen könnte, unter dem Titel „Aufmüpfige Frau" auch einen Mann zu prämieren. „Nicht das biologische Geschlecht zählt, sondern das, wofür man sich einsetzt", erklärt die 66-jährige emeritierte Professorin. Und ist sich dabei durchaus bewusst, dass eine solche Geschlechterdefinition derzeit noch nicht wirklich auf viel Verständnis in der Allgemeinheit stößt. Die nächsten Preisträger werden also wahrscheinlich doch erst einmal noch Preistragerinnen sein. Um einen Mann zur „Aufmüpfigen Frau" zu deklarieren, „dafür müssten wir wohl noch etwas missionieren", schmunzelt Metz-Göckel.

Entstanden sind die Stiftung und ihr Name aus einem recht originellen Kontext: Zu ihrem 50. Geburtstag hatte sich die Frauenforscherin statt Blumen eine Spende für eine Frauenstiftung, die sie schon länger hatte gründen wollen, gewünscht. Da musste natürlich auch ein Name her, und so entstand aus der frohen Stimmung des Momentes der Name „Aufmüpfige Frauen". Oft habe sie seitdem darüber nachgedacht, den Namen zu ändern, da die Reaktionen durchaus gespalten seien. „Die einen finden den Namen toll, die anderen meinen, das Wort „aufmüpfig" erinnere an ungezogene Mädchen", erklärt Sigrid Metz-Göckel. Auch als zu altmodisch wurde der Name oft kritisiert. Aber „Er ist sehr eingängig", weiß sie mittlerweile aus Erfahrung. „Wer ihn einmal gehört hat, der vergisst ihn so schnell nicht wieder". 30 000 Mark kamen aus der Spendenaktion anlässlich ihres 50. Geburtstages zusammen, und der Verein zur Stiftungsgründung wurde ins Leben gerufen.

Bis das notwendige Grundkapital für die tatsächliche Stiftung zusammen war vergingen jedoch noch 14 Jahre: Erst im Jahre 2004 wurde die Stiftung formal errichtet. Mittlerweile wurde das Grundkapital auf 100.000 Euro aufgestockt - aus Spenden aus dem Familien- und Freundeskreis der Stiftungsgründerin. „Das ist noch viel zu wenig", meint Sigrid Metz-Göckel. Die Spendenakquise ist deshalb eines der Hauptziele der nächsten Monate. „Es ist gar nicht so leicht, an Geld zu kommen", weiß die Frauenforscherin.

Für eine Stiftung, die unangepasste und widerständige Frauen auszeichnet, ist es besonders schwer... schließlich sind die meisten potentiellen Geldgeber dann doch noch Herren der Schöpfung. Wer also die „Stiftung Aufmüpfige Frauen" finanziell unterstützen möchte, kann zum Beispiel mit einem Jahresbeitrag ab 50 Euro Mitglied werden. Natürlich sind auch Spenden auf das Spendenkonto 422 056 041 bei der Sparkasse Dortmund, BLZ 440 501 99, überaus willkommen. Weitere Informationen zur Stiftung gibt es unter Telefon DO 40 29 29.

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