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Stiftung „Aufmüpfige Frau“ verleiht zum dritten Mal mit 3.000 Euro dotierten Preis:

Auszeichnung geht an die Agrar-Ingenieurin Shaima Ghafury aus Afghanistan

DerPreis für frauenpolitisches Engagement der Stiftung „Aufmüpfige Frau“ geht heute (24.09.2010) an Shaima Ghafury, die in Marburg lebt und 1992 mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern aus Afghanistan geflohen ist, als die Mujaheddin dort die politische Macht übernommen hatten.

Die Preisverleihungsfeier findet in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses vor rund 250 geladenen Gästen statt, unter ihnen Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Botschaftsrat Abed Nadjib, Afghanische Botschaft Berlin.

Die Stifterin Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel begründet die Entscheidung:
„Wir zeichnen heute eine hochengagierte Frau aus, die sich seit vielen Jahren in vorbildlicher Weise in Deutschland wie in Afghanistan für die Belange von Frauen engagiert. Sie ist eineeigenständige und emanzipierte Frau, die sich unter großen Anstrengungen rasch in die deutsche Gesellschaft integriert und mit ihren Kindern und ihrem Mann um die Wette Deutsch gelernt hat. Sie wollte nicht von der Sozialhilfe leben und hat bald, zunächst als Hausmeisterin im Marburger Frauenhaus, zu arbeiten begonnen, um mit selbstverdientem Geld ihre Familie zu erhalten. Sie knüpft in ihren politischen und sozialen Aktivitäten nicht an einen Opferstatus der Migrantinnen hier und der Frauen in Afghanistan an, sondern an Potenzialen zur aktiven Gestaltung ihres Lebens und ihrer Umwelt. Möglichkeiten, die Situation für Frauen grundlegend zu verbessern, sieht sie allerdings nur im Verbund mit der Befriedung der gesamtpolitischen Lage in diesem geschundenen Land Afghanistan.

Mit ihrem Wirken und ihrer Persönlichkeit steht Frau Shaima Ghafury als Mutter von vier Kindern in wunderbarer Weise für das, was die Stiftung unterstützen will, nämlich ihren Beitrag zur Stärkung der Frauen und konstruktiven Entwicklung der deutsch-afghanischen Beziehungen.

Frau Ghafury ist mit ihrem ebenfalls politisch aktiven Ehemann und mehr als 20 Familienmitgliedern zur Preisverleihung angereist,darüberhinaus sind50 Personen aus ihrem beruflichen Wirkungskreis mit einem Bus nach Dortmund gekommen. Frau Ghafurybetonte in ihrer Dankesrede, wie wichtig es für sie sei, diese Anerkennungaus Deutschland zu bekommen, das ihre zweite Heimat geworden sei: „In diesem Land habe ich eine friedliche und demokratischen Gesellschaft kennen gelernt.“ Die Nachricht, von der Stiftung ausgezeichnet zu werden, sei eine große Überraschung und Ehre zugleich gewesen.  

Die Laudatio auf Frau Ghafury hielt Mechtild M. Jansen, Referatsleiterin der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung, die der Stiftung den ersten Kontakt zu Frau Ghafury vermittelt hatte. Sie beschließt ihre Rede mit den Worten „Frau Ghafury hat die Deutsche Staatsbürgerschaft, ihre 3 Töchter haben hier Abitur gemacht und studieren, ihr in Marburg geborener Sohn geht noch zur Schule. Das Gefühl zurückgehen zu wollen, ist ein Stück weit geblieben. Wir würden viel verlieren, nicht nur eine ‚Vorzeige-Migrantin‘ mit gelungener Integrationsvita und perfekten Deutschkenntnissen, sondern wir würden eine Frau vermissen, von der wir viel gelernt haben – Afghanistan würde vielleicht gewinnen. Als Brückenbauerin und Mittlerin zwischen den Welten wollen wir sie gerne behalten“.

Einevon Inge von Bönninghausen moderierte Gesprächsrunde mit Afghanistan-Expertinnen beschließt die Preisverleihungsfeier. An ihr nehmen teil:

  • Kerstin Müller, Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Auswärtigen Amt a.D.  der Grünen,
  • Siba Shakib, Autorin des Buches „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“
  • Nazifa Wardak, Rechtsanwältin für dieAfghanischen Frauen
  • Verena Harpe, Amnesty International
  • Petra Bläss, Deutscher Frauensicherheitsrat

Umrahmt wird die gemeinsam mit dem städtischen Frauenbüro ausgerichtete Veranstaltung von einer Lesung aus einem Text von Frau Ghafury über die Flucht und das Leben in Deutschland und von musikalischen Einlagen der Band Hikary von Gilda Razani. 

Frau Shaima Ghafury, geboren am 31.01.1958  in Kabul, hat als jahrgangsbeste Abiturientin mit einem Stipendium 1975-1981 in Bulgarien Argraringenieurtechnik studiert und anschließend an der Universität in Kabul als Dozentin unterrichtet. Sie lebt in Marburg und ist in der Bürgerinitiative für soziale Fragen (BSF e.V.) zuständig für die MigrantInnenarbeit und seit 1994 Vorsitzende des Vereins „Initiative afghanisches Handwerk e.V.“sowie Mitbegründerin der Bewegung „Verständigung der Afghanen in Europa und Vorstandmitglied des Afghanischen Kulturverein e.V. in Marburg.  Nach einer Fortbildung ist sie seit 2003 als Sozial- und Schuldnerberaterin bei der Bürgerinitiative BSF und in der Integrationsarbeit der Stadt Marburg tätig.

Die 2004 gegründete Stiftung „Aufmüpfige Frauen“ ist eine gesellschaftspolitische Stiftung. Sie unterstützt Frauen, die aus eigener Kraft etwas für Frauen geleistet haben, das auch dem Gemeinwohl dient. Die Auszeichnung wird 2010 zum dritten Mal verliehen. Die Stiftung tritt für eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Feminismus ein und ein Verein ‚aufmüpfige Frauen‘ sammelt Spenden sammelt, um die Ziele der noch kleinen Stiftung nachhaltig und wirkungsvoll umsetzen zu können.

siehe dazu Ziele

Die Stifterin war mehr als drei Jahrzehnte Professorin an der Universität Dortmund. Sie hat diese Stiftung lange vorbereitet und ‚Ersparnisse’ und weitere Spendengelder in die Stiftung investiert. Die Ausgezeichnet wurden bisher die Kulturmanagerin Gudrun Koch, Berlin, die Wissenschaftlerin und Hochschulpolitikerin Prof. Dr. Aylâ Neusel, Kassel und Berlin und Dr. Slawomira Walczewska, Krakau.

siehe dazu Stifterin,
Preisträgerinnen

Dem Stiftungsbeirat gehören zurzeit an:Karola Pohlhausen, Rechtsanwältin, Prof. Dr. Felizitas Sagebiel, Sozialwissenschaftlerin, Hannelore Weihert, Verwaltungsangestellte i.R. Dr. Ute Zimmermann, Abteilungsleiterin TU Dortmund.

siehe dazu Vorstand

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